Soziales Konfetti – sprinkle that stuff everywhere

Soziales Konfetti gibts bei Antonia Hofmeir zu jeder Jahreszeit. Ein Beitrag aus MOMENT 3/2021.

Neulich musste ich mein Bachelorzeugnis beglaubigen lassen, um mich für den Master einschreiben zu können. Ich hatte wohl etwas Pech und landete bei einer sehr arbeitsunwilligen und unfreundlichen Mitarbeiterin des Bürgeramts. Sie wollte meine Unterlagen nicht beglaubigen: Nicht alle 14 Seiten seien vollständig gestempelt, so dass nicht zu erkennen sei, dass alles ein Dokument ist, zusammengehört und so weiter … Ich gab mein Bestes und diskutierte, widerlegte ihre Argumente und versuchte, die Echtheit meines Zeugnisses zu beweisen. Doch es war leider nichts zu machen. Da war ich etwas aufgeschmissen und ratlos, wie ich nun an die Beglaubigungen kommen könnte.

Aufgrund dieser unfairen Begegnung relativ schlecht gelaunt ging ich auf dem Heimweg noch einkaufen. Die Kassiererin war außergewöhnlich freundlich und unterhielt sich kurz mit mir. Danach fühlte ich mich viel besser und mir wurde mal wieder bewusst: Es kommt auf die innere Haltung an, mit der wir anderen Menschen begegnen.

Es kommt auf die innere Haltung an, mit der wir anderen Menschen begegnen.

Eine Begegnung kann die Stimmung des Gegenübers für den ganzen Tag mitprägen. Somit zählen das Verhalten und Handeln jeder einzelnen Person. In diesem Zusammenhang musste ich an ein ZDF-Interview mit der Schauspielerin Nora Tschirner denken. Darin antwortete sie auf die Frage, was Erfolg für sie bedeute, ungefähr das: „Es kommt aus der Industrialisierung und Leistungsgesellschaft, dass wir denken: ‚Okay, Karriere, das ist diese Leiter, und wenn man da oben ist, dann wird es schon irgendwie gut.‘ Es ist so aber nicht. Wenn ich da oben bin, und ich habe Höhenangst, dann bringt mir das nichts. Ich muss für mich selbst schauen: Was ist für mich persönlicher Erfolg? Wenn ich in die Bäckerei gehe und die Frau guckt grimmig, aber ich habe an dem Tag noch ein bisschen soziales Konfetti übrig, dann ‚kuschel‘ ich sie so warm in eine kleine Decke ein. Und dann gehe ich wieder raus und sie ist so: ;-). Das ist für mich zum Beispiel Erfolg. Wenn ich das viel in meinem Leben habe, dann habe ich das Gefühl: abgeliefert!“

Also bemühe ich mich nun wieder bewusster, möglichst viel soziales Konfetti zu verteilen. Und wenn es an einer Stelle nicht möglich ist (z. B. im Bürgeramt), dann versuche ich, es nicht so tragisch zu nehmen. Tatsächlich habe ich am Ende glücklicherweise einen anderen Weg zur Beglaubigung gefunden …

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